Zur Zeit bin ich auf "Scheine-Jagd" an der Uni, d.h. zu jeder Sprechstunde des dementsprechenden Dozenten gehen und die Unterschrift abholen. Zum Teil erfahre ich auch dann erst die Note der erbrachten Leistung. Letzte Woche war ich dann bei einem Fach, dessen Bestehen mir schon irgendwo Sorgen machte: Phonetics. Es geht, kurz gesagt, darum, in Lautschrift zu schreiben. Nachdem ich mein erstes Blatt davon als Hausaufgabe abgegeben hatte, meinte der Prof schon, das würde mit der Klausur aber nix werden, das könnt ich vergessen. Korrigiert hatte er nur zur Hälfte, mit dem Kommentar "Hier höre ich auf! Waren Sie überhaupt da?". (Das Wort, was ihn da am meisten aufgeregt hatte, war richtig.) - Dementsprechend optimistisch war ich was die Klausur anging. Weil ich aber eeeendviel gelernt hatte, und erstaunlicherweise auch ein gutes Gefühl nach einem schnellen, aber trotzdem ausführlichen Bearbeiten der Klausur hatte, hatte ich doch zumindest mit dem Bestehen gerechnet. An der Liste der Tür standen also alle Leute, die bestanden hatten. Und meine Matrikelnummer war weit und breit nicht zu finden. Ich war also durchgefallen. Und demnach total geknickt. So viel gelernt, so ein gutes Gefühl, buhuuu buhuu. [Noch schnell gebetet: Boah Gott, lass es ein Versehen sein, im gleichen Moment aber gedacht: Sharon, werd realistisch] Musste dann nachher doch noch in die Sprechstunde, fing mit dem Satz an "Weil ich ja durchgefallen bin...." und wurde abrupt unterbrochen. Durchgefallen? Wie ich darauf käme? Nein, dann hätte ich trotzdem auf der Liste stehen müssen. Das müsse ein Versehen sein. Suchen Sie mal Ihre Klausur aus dem Stapel hier. 2,0! Na sehen Sie. Wieso sollten Sie auch durchgefallen sein?!
Das war mein kleines Wunder der Woche :)
Wütend war ich neulich relativ grundlos den ganzen Freitag lang. Ich hatte das Gefühl, früher oder später müsste ich einfach jemanden anschreien, oder hauen, oder mich sonst wie aggressiv äußern. Irritiert hat mich das ganze schon etwas, da es keinen Auslöser hatte, aber trotzdem war alles extrem nervig, reizend, und anstrengend. Bis mir einer dieser psychologischen Weisheiten einfiel: Es stört einem das am Gegenüber, was man selbst nicht als Schwäche eingestehen/aushalten kann. Also vielleicht war es ja Wut gegen mich selbst, die ich verdrängte. Konnte das sein? Ich? Auf mich selbst? Grundlos?
Ich glaub, ich hab den Grund gefunden. Ich bin jemand, der gerne heiß oder kalt, ganz oder garnicht, schwarz oder weiß sieht. Ich geh nach Holland, also freue ich mich. So einfach. Nein, halt. Da ist ja noch was anderes? Bin ich etwa ein bisschen traurig? Zweifel ich etwa, weil ich mein Leben hier auch lieb gewonnen habe? Bin ich etwa ambivalent? Das geht aber nicht! Entweder hü oder hott! Wie soll ich denn da auf das Problem eingehen? Das ist doch schon "unlösbar" durch den Fakt der gegensätzlichen Gefühle.
Aber ich hab gelernt: das gehört dazu. (Und es wär ganz schön krass, wenn mich das "zurück- und loslassen" kalt lassen würde.) Also versuche ich Gefühle zuzulassen, und einfach mal nix ändern zu wollen. Vielleicht ist das ja, wie man damit umgehen sollte. So viel für heute von mir. Ich hab euch gern!
1 Kommentar:
ich hab dich auch sehr gern!
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