Ich dachte, ich bin unabhängig. Ich lebe selbstständig, koch mir mein eigenes Essen, lieg meinen Eltern kaum bis nicht auf der Tasche, und regle alles eigentlich soweit ganz gut. Ich dachte, ich wäre frei und unabhängig. Scheinbar weit gefehlt.
Ich könnte morgens keine Schuhe anziehen, wenn ich sie nicht gekauft hätte. Ich hab sie gekauft, bei jemand der sie verkauft, aber auch schon davor bin ich von Leuten abhängig, die mir die Schuhe machen. Wenn ich ein Brot esse, oder komplizierter, Nudeln koche, kann ich das nur, weil jemand vorher ein Haus gebaut hat, in dem ich jetzt wohnen kann, einen Herd gebaut hat, auf dem ich kochen kann, und Nudeln gemacht hat, die ich nur noch in einen Topf geben muss.
Ihr seht: ich bin von vorne bis hinten abhängig von Menschen. Das Gefüge nennt sich wohl Gesellschaft. So weit, so gut. Weiter im Text. Gesellschaft heißt, wir sind alle für das Wohl des anderen zuständig. Auf mich als Student bauen jetzt noch nicht sooo viele Leute, aber schon allein durch meinen Konsum finanziere ich ja Arbeitsplätze. Kein Konsum = Arbeitslosigkeit = Armut. Haben wir ja jetzt schon am Beispiel Wirtschaftskrise etwas näher mitbekommen.
Wenn ich jetzt abhängig von anderen bin, und andere von mir, wer koordiniert das dann? Wer ist dafür verantwortlich, dass das klappt? Die Politik. Die Wirtschaft. Große Organisationen. Ich aber bei weitem nicht. Was kann ich kleiner Mensch schon? Feststellen, dass die Wirtschaftskrise schlimm ist und dass es nicht schön ist, dass ca die Hälfte der Weltbevölkerung verhungert. Aber wirklich was ändern? Ich kleine Sharon?
Das ist der Knackpunkt. Wenn ich in einem Gefüge wie einer Gesellschaft leben will, davon profitieren will, dass andere Leute für meine Arbeitskraft zahlen, ich von anderen Leuten Autos und Kühlschränke kaufen kann, dann muss ich doch mitverantwortlich sein, dass dieses Gefüge funktioniert! Natürlich ist es schwierig, weil nicht jeder jetzt sein eigenes Königreich oder seine eigene, autarke Gesellschaft aufmachen kann. Selbstverständlich können nicht 82 Millionen Deutsche Kanzler(in) sein. Aber wir haben die Verantwortung, die Leute, die wir wählen (wählen sollten) zu kontrollieren, zu gucken, ob sie nicht einfach Blödsinn machen. Das Gefühl, machtlos zu sein, rührt hauptsächlich daher, dass wir passiv sind, und durch das passiv sein werden wir machtlos.
Wenn keiner was macht, ändert sich nichts. Die Schwierigkeit ist natürlich, dass desto größer ein System ist, desto unübersichtlicher wird es und desto leichter kann es kippen. Früher ist vielleicht nur die DM kollabiert, wenn jetzt der Dollar schwächelt, haben wir gut Chance, dass der Euro mit kollabiert. Versteht mich nicht falsch, ich find Globalisierung nicht "bööööse" und sperr mich gegen alles was damit zu tun hat. Ich glaube, es ist ziemlich unausweichlich, und bringt natürlich eine Menge Vorteile mit sich. Aber ich glaube, desto größer das System ist, desto größer ist unsere Verantwortung.
Klar bin ich auch müde, wenn ich von der Uni nach Hause komme, und auch ich habe dann wenig Lust mich noch mit Politik auseinanderzusetzen und den Wirtschaftsteil einer Zeitung zu lesen. Zumal ich ja das Gefühl habe, machtlos zu sein. (Was wir ja jetzt gelernt haben, an Passivität liegt ;)).
Als kleines Fazit: Ich glaube nicht, dass wir im Handumdrehen alles ändern können, und mir ist völlig bewusst, dass große Systeme durchaus eine gewisse Trägheit mit sich bringen. Aber ich glaube, dass kleine Entscheidungen die ich mache, oder Gespräche die ich führe, was bewirken können. Desto mehr Leute anfangen, wach zu werden und nachzudenken, desto mehr können was verändern. Revolution hat selten von oben angefangen. Es fängt mit kleinen Leuten und kleinen Gesten an. Zum Beispiel wenn ich anfange, fairtrade Sachen zu kaufen, um dafür zu sorgen, dass die Bauern auf der anderen Seite der Welt zumindest etwas mehr Geld kriegen. Oder eben indem ich mich politisch mehr informiere, und vielleicht versuche, Organisationen zu unterstützen / zu wählen, die meine Ziele unterstützen und sich mit größeren Bossen auseinandersetzen. Denn ein weiterer Punkt der Machtlosigkeit ist, dass man das Gefühl hat, es passiert nichts, weil man nichts sieht. Man kann aber Vertreter haben, die das unterstützen, was ich unterstütze. Und ich glaube, das ist einen Gedanken mehr wert.
Wie siehts bei euch aus? Bist du politisch aktiv? Kümmert es dich, was mit der Welt passiert? Siehst du eine Möglichkeit, Einfluss auszuüben, oder fühlst du dich machtlos? Ich bin gespannt, wie du drüber denkst.
5 Kommentare:
also ich fühl mich ganz und gar komplett machtlos... und du?
ich meistens auch. aber ich sehs irgendwie nicht mehr ein. kann doch nicht sein, dass wir alle nix zu sagen haben!
he toll!
ich bin ja gerade aus NZ zurück und endlich mal ein Post, wo ich einfach etwas zurueckschreiben muss!
also über dieses ganze Thema bewegt mich schon seit min. anderthalb Jahren und ich bin mit meiner Freundin Sarah da auch schon viel am reden und v.a. unsere Zeit in NZ hat uns da sehr "weiterentwickelt"
Ich betrachte das Ganze nicht so aus/in Richtung (Un-)Abhängigkeit, sondern eher um Sorge um die Zukunft unserer Welt und der Menschen, die darauf leben bzw. deren Lebensumstände. Abhängig - ich würde es "verflochten mit der Welt", Globalisierung eben, nennen - sind wir dabei doch alle, ich glaube da ist ein rauskommen schwierig. Aber Ansätze dazu gibt es viele. im letzten Absatz bist du ja schon darauf eingegangen und hast einiges erläutert.
Die Ideen, sind aber nur der Anfang. Die haben schon Hunderttausende auf der Welt weitergesponnen und teilweise in Realität umgesetzt. (ich weiss gar nicht, wo ich da anfangen soll, davon zu erzählen). z.b. gibt es Ökodörfer und -gemeinschaften (ich war letzten Sommer ja auch einem), Fairtrade kaufen, Energie sparen, strategisch konsumieren, Umweltschonend leben usw. usw.
machtlos sind wir überhaupt nicht, daran glaube ich nicht. (zum einen aus christlicher Sicht, weil wir ja eine allmächtigen Gott haben) Kennst du das Zitat: Viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern!
ok jetzt ein paar Empfehlungen:
Internet:
www.utopia.de - Internetportal für strategischen Konsum
www.wearewhatwedo.com - wunderbare Umsetzung meines o.g. Zitates, deutsche Internetseite ist irgendwie grade verhindert...
www.storyofstuff.com - wunderbare Seite über den Welthandelskreislauf und wie vernichtend er ist, als Video! auf engl., utopia hat auch ne deutsche Version gemacht, weiss aber gerade nicht, wo die zu finden ist.
http://www.landscaping.at/blog/2008/12/10/10-schritte-zu-einem-zukunftsfaehigen-lebensstil-fuer-einsteiger/ - es gibt eine Antwort auf folgende Frage: “Wenn denn nun schon alles so schlecht ist und wir rasch handeln müssen, was sollen wir denn dann als erstes, also heute, tun?” hier ist auch "The Story of Stuff" auf dt.
Bücher:
Klaus-Werner Lobo: Uns gehört die Welt. Macht und Machenschaften der Multis (Informationen zum Buch und Vernetzungsplattform: unsdiewelt.com/) das würde ich gerne mal lesen
Shane Claiborne: Ich muss verrückt sein so zu leben (aus christlicher Sicht, ein junger Ami lebt anders, sehr inspirierend!! kann ich dir ausleihen)
ansonsten wirst du im Internet massenweise dazu finden und Gruppen wie Greenpeace oder Attac kennst du ja sicher...
so das wollte ich mal loswerden....
Ich mache schon folgendes, um aktiv zu sein:
-keine Plastiktüten im Supermarkt mitnehmen
-energie sparen (wir haben seit Jan. Ökostrom!! und das fuer nur 1€ mehr im Monat! bei Stadtwerke Bochum)
-nicht bei den Multi's einkaufen (d.h. McDonald, BurgerKing, Starbucks, ... diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen)
-ich gehe ziemlich oft im Biokauf einkaufen
-ich meide auch diese grossen Lebensmittelkonzerne (wie Unilever oder Nestlé) wenn möglich, aber das ist sehr schwierig!
-Abfall vermeiden
das wichtigste aber ist: sich austauschen und vernetzen! nicht allein bleiben! denn du bist nicht die einzige, die so denkt. Du wirst viele Gleichgesinnte finden! mich hast du schon mal! ich freu mich auf nen Austausch mit dir!
Gruss Falko
die eine Net-seite hats nicht gepostet, ich schreib dir mal ne mail.
hi
von gerhard schoene gibts dazu auch ein mutmachendes lied"alles muss klein beginnen" da musst ich grad dran denken...ich glaub wenn man nicht zumindest im kleinen anfaengt die welt zu veraendern, dann ist das doch irgendwie voll die nachmirdiesinflut-haltung...war vor kurzem auf nem christlichen festival mit ziemlich vielen leuten und hab gedacht..boh, wenn jeder hier echt alles geben wuerde, was GOTT in ihn/sie reingepackt hat, was gaebe das fuer eine reformution...wenn wir wirklich anfangen jesus nachzufolgen und gemeinde aufhoert ein kuschelclub,gefaket zu sein..was haelt mich selbst immer wieder davon ab, bedingungslos meinen egoismus hintenanzustellen, nicht immer danach zu fragen..ja aber was is eigentlich mit mir, wo bleibt mein spass/bier/freiraum..
zum thema globalisierung und kleine/grosse gesellschaften: ein kleines land bzw niedrige einwohnerzahlen sorgen fuer weniger papierkram und stress..selbst die wirtschaft erholt sich schneller in krisenzeiten..warum eigentlich globalisierung? kann im moment gar nix positives dran sehn, sagt mir doch mal was..bin grad sehr einaeugig beschraenkt...mir faellt nur noch was negatives ein, naemlich, dass viel verloren geht an wertvollen traditionen..beispiel: naturvoelker im regenwald im amazonasgebiet junge generation orintiert sich mehr und mehr westlich, das wissen um heilpflanzen und die riesenapotheke amazonas geht verloren..es wird vergessen wie man im regenwald ueberleben kann..die abhaengigkeit von "draussen" nimmt zu, muellberge wachsen, da es keine muellorganisation also recyclen oder sowas gibt....
also: nachdenken, fragen stellen, weiterdenken und handeln!
und wenn uns das schon betroffen macht; wie traurig muss Gott dann erst sein. ER hat uns seine welt zu treuen haenden anvertraut, was haben wir daraus gemacht und werden es noch tun? Wir haben die wahl!
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