Ich lese momentan "Der Alchemist" von Paolo Coelho und im Abschnitt grad gings um Träume, und die zwei Arten wie man damit umgehen kann.
Die eine Art ist, Träume zu behalten und immer wieder zu durchdenken als Lebensmotivation, den Alltag durchzustehen. Man träumt davon, vielleicht eines Tages den Traum in die Realität umzusetzen, aber man hat gleichzeitig Angst, dass es nur eine Enttäuschung wäre, deswegen lässt man es lieber.
Die andere Art ist den Traum als wirklich umzusetzendes Ziel zu sehen und es mit aller Kraft anzustreben. Bis man das Ziel erreicht hat, wird man mit einer Art Unzufriedenheit mit den bisherigen Umständen versehen sein, was man auch "Ehrgeiz" nennen könnte.
Was die Beziehung zu Gott angeht, sollte man ja auf jeden Fall so n Ehrgeiz haben, es "besser" machen zu wollen. Jetzt bin ich aber seit einiger Zeit auch in einem anderen Punkt "unzufrieden" mit der bisherigen Lage, doch mir wird geraten, den Traum aufzugeben, weil er mich unzufrieden macht. Seltsam!
Wie gehts euch mit euren Träumen? Zufrieden oder getrieben, es zu ändern?
4 Kommentare:
mhh cool, aber ich rate es dir nicht! :)
Hm, nee, der Schuh passt wohl mir! ;)
Ich kenne zwei Arten von Träumen... solche die tatsächlich realisierbar sind und damit eher "Ziele". Und wenn sie da sind, ist es für ein paar Minuten reine Leere, aber es war vorher gut, weil sie ein Antrieb waren, und im Nachhinein tun sie gut. Nur der Moment der Erfüllung... der gefällt mir nicht.
Und dann gibt es die, die möglich aber total abstrus sind. Wenn die mal in Erfüllung gehen, weiß ich gar nicht mehr, wo oben und unten ist vor Glück, aber fall auch garantiert bald wieder von der natürlichen Katastrophenkraft gezogen (ähnlich der Schwerkraft immer da und leider kaum auszutricksen) hart auf den Boden - und hab oben und unten zu voller Verfügung, während mein Traum als seifenblasensplitter um mich herum liegt oder wieder an der unendlich langen Schnur als Luftballon über mir baumelt.
Bedeuten Träume also automatisch Un- oder Zufriedenheit? Wäre man besser ohne dran?
Ich kann nicht anders, ich denke einfach: Es kommt darauf an. Und zwar auf den, der träumt und nicht darauf, was er aus seinen Träumen macht, ob er sie erfüllt oder nicht, ob er das will oder nicht, sondern wie er träumt.
Will sagen: Der Traum nährt sich von guten Erinnerungen und kann sie aufzehren, wenn er sie blass erscheinen lässt. Während man träumt, zerreist einen teilweise die Sehnsucht. Der Traum treibt einen an ein Ziel, das, wenn man es erreicht hat, vll. gar nicht an den Traum rankommt. Seine Erfüllung ist allzu oft direkt von Schmerzen verfolgt und im Nachhinein bleibt manchmal nur der fahle Nachgeschmack davon, eine großartige Gelegenheit, glücklich zu sein und zu bleiben, versemmelt zu haben, wenn es sich auch nur um Sekunden handelt, die man weniger oder mehr hatte.
Der Traum selbst ist schön, poetisch, aufregend. Er gibt dem Leben einfach einen anderen Farbton, er spielt eine leise Hintergrundmusik wenn du grad nicht mehr weißt, wo dein Leben steht, wo du dich darin befindest und wohin verdammt dieser Weg führt, der da vor dir liegt und so schwarz und dunkel und irgendwie... glitschig in eine scheinbare Tiefe führt. mit seiner Hilfe kannst du dich an den Wänden entlang tasten und nicht nur glauben oder hoffen, dass es besser wird, sondern wissen, dass da noch etwas kommt, kommen muss.
Der Traum nährt sich aus Momenten des Glücks und erinnert dich damit daran, dass manchmal alles viel besser kommt als man befürchtet hat.
Träume sind Erinnerungen an eine glückliche Zukunft.
Also bist du, solange du diesen Anblick nicht deinen Blick für die Gegenwart vernebeln lässt, in gewisser Weise also Herr deiner Träume bleibst, nur zu beneiden, solange du noch Träume hast und es schaffst, je nach Traum, Richtung und Zeit, ein paar Schritte in seine Richtung zu gehen.
Zufrieden nicht. Deswegen versuche ich den Traum aufzugeben. Aber die Angst, dass der Traum sich ja doch mal erfüllen könnte und es dann doch nicht tut, weil man aufgegeben hat, bleibt.
Mir hilft beim Aufgeben, dass der Traum einfach nicht dran ist und wenn Gott doch widererwartend mal meinen sollte, dass der Traum dran ist, dann wird der Traum auch wieder Realität werden.
Bis dahin werde ich zumindest nicht weiter enttäuscht.
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